Veränderte Eingangsstufe in der Grundschule Haddorf


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1. Planungsphase

März 2004: In der Gesamtkonferenz wird der neue Grundsatzerlass „Die Arbeit in der Grundschule“ vorgestellt, der u.a. beinhaltet, dass Grundschulen eine Eingangsstufe einführen können. Die Grundzüge einer veränderten Eingangsstufe werden dargestellt. Das Kollegium will sich nach einer Zeit der Meinungsbildung eingehender mit dem Thema beschäftigen.

März 2005: In der Erörterung zum Thema „Schulfähigkeit“ beschließt das Kollegium, sich in einer der nächsten Dienstbesprechungen mit dem Thema „Veränderte Eingangsstufe“ näher zu befassen.

Juni 2005: Unter Zugrundelegung des Artikels „Die neue Eingangsstufe“ von Barbara Berthold diskutiert das Kollegium in einer Dienstbesprechung über rechtliche Bedingungen, heterogene Klassenbildungen und im Besonderen über die Binnendifferenzierung, das Helferprinzip, räumliche und personelle Bedingungen.

Einig ist man sich darin, dass in dieser Lernform kein Kind „gebremst“ wird, die Schüler individueller gefördert und gefordert werden. Pädagogische Ansätze dieser Art werden in unseren Klassen schon praktiziert (Lesetagebuch, Offene Arbeit, Freiarbeit, Projektarbeit ...).

Im weiteren Verlauf der Diskussion soll die Praxis, der Unterrichtsalltag, im Vordergrund stehen.

Januar 2006: Frau Rosan und Frau Peter von der GS Nordholz referieren in der Gesamtkonferenz über die Arbeit in der neuen Eingangsstufe. Dabei sprechen sie über Prinzip, Schritte zur Einführung sowie über praktische Erfahrungen in ihrer Schule.

In der nachfolgenden Diskussion beschließt das Kollegium, sich bei Hospitationen in der GS Nordholz über die Praxis in der neuen Eingangsstufe intensiver zu informieren.

Die anwesenden Elternvertreter sehen die neue Eingangsstufe positiv.

Herr Faby stellt fest, dass der frühestmögliche Termin für den Start der neuen Eingangsstufe an der GS Haddorf das Schuljahr 2007/08 ist.

Februar/März 2006: Das Kollegium hospitiert in Kleingruppen in der GS Nordholz.

Mai 2006: Das Kollegium tauscht sich über die bei den Hospitationen gemachten Erfahrungen aus. Ein Meinungsbild nach diesem Austausch zeigt, dass die Mehrheit des Kollegiums für die Einführung der neuen Eingangsstufe ist.

Es bildet sich die Arbeitsgruppe „Veränderte Eingangsstufe“.

Juni 2006: Die Arbeitsgruppe beginnt mit der Arbeit und sondiert die Rahmenbedingungen für eine veränderte Eingangsstufe an unserer Schule. Folgende Aspekte werden angesprochen: Raumverteilung, Teambildung, Klassenraumgestaltung, Planung, Unterrichtsmaterialien, Elternarbeit.

Weiterhin wird festgestellt, dass die ungeklärte Personalsituation für das Schuljahr 2006/07(durch geplante Abordnungen und Beurlaubungen, unbekannte neue KollegInnen) es unmöglich macht, die zukünftigen 1. Klassen als Starterklassen für die Eingangsstufe ab 2007/08 einzuschulen.

Die Arbeitsgruppe schlägt daher vor, die Einführung der „Veränderten Eingangsstufe“ auf das Schuljahr 2008/09 zu verschieben.

Oktober 2006: Herr Faby und Frau Nehring nehmen an der Fortbildungsveranstaltung des NiLS „Neue Eingangsstufe an Grundschulen“ in Hannover teil.

Februar 2007: Herr Faby, Frau nnnnnn , Frau Nehring und Frau Petrat hospitieren in der Eingangsstufe der „Heideschule Buchholz“.

Die Arbeitsgruppe „Veränderte Eingangsstufe“ beschäftigt sich mit Unterrichtswerken für jahrgangsübergreifenden Unterricht und plant Anschaffungen für die Klassenraumgestaltung.

März 2007: In einer Dienstbesprechung wird die personelle Situation für das Schuljahr 2007/08 besprochen. Es wird beschlossen, dass die zukünftigen 1. Klassen die Starterklassen für die neue Eingangsstufe sein sollen. Frau Bönig und Frau Wulf werden sie übernehmen.

Mai 2007: Nachdem sich sowohl das Kollegium als auch der Schulelternrat mehrheitlich für die Einführung der „Veränderten Eingangsstufe“ ausgesprochen haben, fasst nun die Gesamtkonferenz den offiziellen Beschluss:

Ab Schuljahresbeginn 2008/09 soll die veränderte Eingangsstufe mit jahrgangsübergreifenden Lerngruppen als verbindliche Unterrichtsform in der GS Haddorf eingeführt werden. (10 Ja-Stimmen, 1 Nein-Stimme, 3 Enthaltungen)

Juni 2007: Es findet ein Elternabend statt, bei dem alle betroffenen Eltern (Schulanfänger, 2. Klassen) über die Auswirkungen des o.a. Beschlusses auf ihre Kinder informiert werden. Die Resonanz in der Elternschaft ist positiv.

August 2007: Der Schulträger stimmt dem Antrag auf Einführung der Eingangsstufe ab 08/2008 mit der Bedingung zu, dass diesbezüglich keine zusätzlichen finanziellen Forderungen erhoben werden.

September 2007: Die Starterklassen für die veränderte Eingangsstufe werden eingeschult.

Frau Bönig und Frau Wulf nehmen an der o.a. Fortbildungsveranstaltung des NiLS in Hannover teil.

November 2007: Der Schulvorstand beschließt einstimmig, dass ab August 2008 der erste und zweite Schuljahrgang an der GS Haddorf als pädagogische Einheit(Eingangsstufe) geführt wird.

 

2. Gründe für die Einführung der Eingangsstufe

2.1. Heterogene Lerngruppen

Unsere Schulanfänger werden mit sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen eingeschult. Das erfordert intensive Differenzierungsmaßnahmen von Anfang an. Die Schere zwischen langsamer und schneller lernenden Kindern klafft oft schon im 1. Schuljahr weit auseinander. Ein ‚gleichschrittiger‘ Unterricht ist nicht mehr möglich.

In der Eingangsstufe ist die Heterogenität Programm. Jedes Kind kann entsprechend seiner individuellen Lernvoraussetzungen und in eigenem Tempo lernen.

2.2. Verweildauer in der Eingangsstufe

Die Kinder haben je nach individueller Lernentwicklung ein bis drei Jahre Zeit, die Ziele der Lehrgänge zu erreichen und in die 3. Klasse überzutreten. Das dritte Jahr in der Eingangsstufe wird nicht als Wiederholung auf der Schulbesuchszeit angerechnet.

2.3. Kein Lerngruppenwechsel

Alle schulpflichtigen Kinder werden in jahrgangsübergreifende Lerngruppen eingeschult.

Es gibt keine Zurückstellung mehr, die gerade für Kinder, die noch besonderer Förderung bedürfen, mehrfachen Gruppenwechsel und oft auch Ortswechsel bedeutet.

Kinder, die mehr Zeit brauchen, bleiben ein weiteres Jahr in ihrer gewohnten Lerngruppe.

Kinder, die sehr schnell lernen, können den Stoff von zwei Schuljahren in ihrer gewohnten Lerngruppe bearbeiten.

2.4. Lernen in altersgemischten Gruppen

Altersgemischte Gruppen fördern kooperatives Lernen, gegenseitige Hilfe und Verantwortung. Die Kinder machen in diesen Lerngruppen vielseitige Erfahrungen. Ihre Position in der Lerngruppe ändert sich jährlich. Sie beginnen als die Kleinen, denen die Großen helfen und wachsen langsam in die Rolle der Großen, die den Kleinen helfen, hinein. Die Schulanfänger werden schnell integriert und lernen von den Großen Regeln und Rituale.

 

 

3. Klassenzusammensetzung

Die Schulanfänger des Schuljahres 2007/08 bilden die Starterklassen. Sie werden am Ende des Schuljahres in drei gleichgroße Gruppen aufgeteilt. Für die Aufteilung gelten folgende Kriterien:

  • Berücksichtigung von Freundschaften

  • Lernstand in den Lehrgängen

  • Junge/Mädchen

  • Gleichmäßige Aufteilung der Kinder mit Migrationshintergrund

Die Schulanfänger des Schuljahres 2008/09 werden in diese Gruppen aufgenommen. Für die Aufteilung der Schulanfänger gelten folgende Kriterien:

  • Berücksichtigung von Freundschaften

  • Junge/Mädchen

  • Gleichmäßige Aufteilung der Kinder mit Migrationshintergrund

  • Gleichmäßige Aufteilung der Kinder mit Sprachförderunterricht

  • Lernausgangslage

 

4. Schwerpunkte des pädagogischen Konzeptes

4.1. Individuelles Lernen

Jedes Kind lernt entsprechend seiner individuellen Lernvoraussetzungen und in seinem eigenen Tempo.

Leistungsschwache Kinder werden gefördert, leistungsstarke Kinder gefordert.

Ein umfangreiches Material- und Medienangebot fördern das individualisierte, selbstständige und handlungsorientierte Lernen.

Die Arbeit in den Lehrgängen Deutsch und Mathematik beziehen sich auf die Inhalte der jahrgangsbezogenen Lehrgänge.

Im projektorientierten Unterricht bestimmt ein Thema das Lernen und Handeln aller Kinder. Dann findet der Unterricht fächerübergreifend statt.

4.2. Lernen voneinander

Im Mittelpunkt steht das Helferprinzip. Gegenseitiges Helfen, das Lernen und Spielen miteinander und Rücksicht nehmen fördern die soziale Kompetenz.

Der Rollenwechsel vom Kleinen zu den Großen stärkt auch bei schwächeren Kindern das Selbstbewusstsein.

4.3. Die Lernumgebung

Der Klassenraum muss klar und übersichtlich strukturiert sein. Ordnungs- und Ablagesysteme, feste Plätze für Unterrichtsmaterialien, Symbole und Farben helfen bei der Orientierung. Für Partner- und Gruppenarbeit stehen zusätzliche Arbeitsplätze im Gruppenraum und auf dem Flur zur Verfügung.

4.4. Rhythmisierung des Unterrichts

Eine gleichbleibende zeitliche Strukturierung des Schulvormittags gibt den Kindern Sicherheit und Orientierung. Dazu gehören Morgenkreis, Freiarbeit, gelenkte Unterrichtsphasen, gemeinsames Frühstück, Bewegungspausen, Lesezeit, singen und spielen, Arbeit nach Tages-, Wochen- oder Lehrgangsplan.

4.5. Teamarbeit

Die Lehrkräfte der Eingangsstufe bilden ein Team. Die Mitarbeit in der Eingangsstufe sollte freiwillig sein. Zwischen den Teammitgliedern muss „die Chemie stimmen“, sonst ist eine erfolgreiche Zusammenarbeit nicht möglich.

Regelmäßige wöchentliche Treffen des Teams ermöglichen den Austausch über die Arbeit und gemeinsame Planung.

4.6. Elternarbeit

Eine intensive Zusammenarbeit von Lehrern und Eltern ist Voraussetzung für das erfolgreiche Lernen der Kinder. Regelmäßige Elternabende, Eltern-Schüler-Beratungswochen, Hospitationsangebote für Eltern und Mitwirkung bei Klassen- und Schulveranstaltungen unterstützen diese Zusammenarbeit.

 

5. Ergänzende Bemerkungen

Grundschulen können als logische Konsequenz in ihrem pädagogischen Konzept auch jahrgangsgemischte Lerngruppen für andere Schuljahrgänge vorsehen, z.B. für den 3. Und 4. Schuljahrgang (oder den 1. – 3. Schuljahrgang).

Zusätzliche Lehrerstunden gibt es aber nur für die Eingangsstufe:

  • Bis 19 Kinder: 2 Stunden/Klasse

  • 20 – 25 Kinder: 3 Stunden/Klasse

  • Ab 26 Kinder: 4 Stunden/Klasse

Die Berechnung des Lehrerstunden-Solls kann auch mit Jahrgangsklassenerfolgen (dann ohne obige zusätzliche Stunden).

Auf Antrag bei der Schulbehörde kann auch die Einschulung zum Halbjahr ermöglicht werden.

 

6. Literatur …

  • Jahrgangsgemischte Eingangsstufe – ein Weg zum erfolgreichen Lernen (Niedersächsisches Kultusministerium)

  • Schuleingangsphase entwickeln, Leistung fördern (U. Carle u. B. Berthold; Schneider Verlag, Hohengeren)

  • Jahrgangsübergreifend unterrichten (R. Christiani [Hrsg.]; Cornelsen)

  • Reader vom Grundschultag 2006 in Oldenburg: Anfangen! Nicht warten – Eingangsstufe in Niedersachsen

  • Altersgemischte Klassen / Flexible Schuleingangsphase (raabe, Berlin/Stuttgart 2005)
     

  • Die neue Eingangsstufe (B. Berthold; SVBl. 9/2003)

  • www.mk.niedersachsen.de (Themen > Unsere Schulen > Allgemein bildende Schulen > Grundschulen)


Konzept der Eingangsstufe zum Download