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Die Kindheit hat sich total verändert

Grundschule in Haddorf feiert Geburtstag - Die Kinder sind grundverschieden: Kollegium und Ehrenamtliche gleichen Defizite aus

HADDORF. Vor zehn Jahren wurde die Grundschule in Haddorf eingeweiht. Mit dem Schulneubau trug damals die Stadt der boomenden Ortschaft mit steigenden Einwohnerzahlen Rechnung. Heute hat sich die Schullandschaft gewandelt: Schülerzahlen gehen zurück - in diesem Jahr wurden in Haddorf nur noch zwölf Erstklässler eingeschult - und die Kinder kommen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schule.

Gerade in Haddorf hat die Stadt daher nicht vergebens investiert. Bei einem Ausländer- und Migrantenanteil von 45 Prozent ist die Schule vor Ort wichtiger denn je und leistet wertvolle Integrationsarbeit. Das 17-köpfige Team - inklusive Förderschullehrer, pädagogischen Mitarbeitern, Praktikantin und Anwärterin - um Rektor Hartwig Faby hat sich auf die veränderte Struktur der Stadtteilschule eingestellt.

"Unsere Schülerschaft spiegelt schon lange nicht mehr die Bevölkerungsstruktur wider", sagt der Schulleiter. Die Kinder des Bildungsbürgertums, das im alten Neubaugebiet wohnt, sind dem Grundschulalter entwachsen, aus dem alten Ortskern Alt-Haddorf kommen allenfalls Enkelkinder, das Gros der Kinder wächst im neuen Wohngebiet auf; mit allen Problemen, die dort herrschen.

29 Prozent der Haddorfer Schulkinder sind Kinder Alleinerziehender, 45 Prozent haben einen Migrationshintergrund, 15 Prozent benötigen zum Teil sehr viel Förderung - vor allem beim Lernen und in der sozial-emotionalen Entwicklung.

Diese Veränderung ist für das Kollegium messbar. "Während wir am Anfang sehr leistungsstarke Kinder hatten und bei den Vergleichsarbeiten im Ranking den zweiten Platz belegten, fallen sie jetzt gerade mal so im Landesdurchschnitt aus", so Faby.

Vor vier Jahren zog die Schule daher Konsequenzen und setzte den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf Steigerung der Lesekompetenz. "Gut lesen können ist Vorbedingung für alles Lernen", weiß der Rektor. Und so engagierte das Kollegium ehrenamtliche Lesementoren aus dem Dorf, die vormittags und auch nachmittags mit etwa 20 Kindern lesen üben. "Das gleicht nicht nur Lesedefizite aus, sondern schafft auch verlässliche Bindungen", berichtet Lehrerin Carola Nehring. Viele Kinder seien zu Hause vernachlässigt. "Manche gehen morgens ohne Frühstück zur Schule, während die Eltern noch im Bett liegen."

So gibt die Schule auch mit ihrem offenen Beginn ab 7.30 Uhr Geborgenheit und Zuverlässigkeit. Schwächere Kinder der dritten und vierten Klassen erhalten um diese Uhrzeit zudem Förderunterricht. Bereits im dritten Jahr sind die Klassen eins und zwei zu drei Eingangsstufenklassen zusammengefasst, was individuelleres Lernen ermöglicht.

Kinder, die mehr Zeit benötigen, haben für den Stoff der ersten beiden Klassen drei Schuljahre Zeit, besonders starke Kinder sind damit unter Umständen bereits nach einem Jahr durch. Wer aus dieser Stufe zusätzlich Hilfe benötigt, erhält mittags Förderunterricht.

Die Voraussetzungen, mit denen Kinder eingeschult werden, seien noch nie so weit auseinander gedriftet, stellen Nehring und Faby fest. "Da sind Kinder dabei die nur Drei-Wort-Sätze sprechen und nicht alleine zur Toilette gehen und andere, die schon ganze Texte vorlesen und im 100er-Bereich rechnen", so Nehring. Um diese Spanne aufzufangen könne mittelfristig die einzige Alternative eine Ganztagsschule sein. (sh)


Das Geburtstagsfest

Die Grundschule Haddorf feiert am Freitag, 1. Oktober, mit geladenen Gästen Geburtstag und am Sonnabend, 2. Oktober, mit der Öffentlichkeit. Präsentiert werden dabei auch die Ergebnisse der Projektwoche. Ab 11 Uhr wird Theater gespielt, getanzt und gesungen. Außerdem ist rund um die Schule ein Jahrmarkt aufgebaut. Organisiert haben das Fest das Kollegium und der Schulverein.

28.09.2010